

Ortsbildprägendes Fachwerkhaus mit Wohn- und Gewerberäumen in Winningen
Baujahr bezeichnet 1710
Brand im Jahr 2024
Bauen im Bestand · Denkmalsanierung · Energetische Sanierung · Umwandlung Gewerbe zu Wohnraum · Brandschadensanierung
Wiederherstellung und Weiterentwicklung denkmalgeschützter Bestand
Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus liegt in ortsbildprägender Ecklage am historischen Marktplatz von Winningen. Das teilweise massiv errichtete Gebäude mit Walmdach ist auf das Jahr 1710 bezeichnet und Teil des historischen Ortsgefüges. Nach einem Brand im Jahr 2024 und den Folgeschäden durch Löschwasser ist die historische Substanz in wesentlichen Bereichen beeinträchtigt. Die Instandsetzung knüpft an das vorhandene Gebäude an. Erhalten, repariert und ergänzt wird dort, wo Konstruktion und Nutzung es erfordern. Zudem werden die Grundrisse im Rahmen der künftigen Nutzung angepasst, die ehemaligen Gewerberäume werden zu Wohnraum umgewandelt.
Die Grundrisse spiegeln die gewachsene Struktur des Gebäudekomplex wider. Die unterschiedlichen Raumgrößen, Wandstellungen und Erschließungen folgen der historischen Entwicklung. Ein Teil der bisherigen Gewerbeflächen im Erdgeschoss wird in Wohnraum umgewandelt. Die neue Nutzung wird in die vorhandene Struktur integriert und nur dort ergänzt, wo es räumlich oder funktional notwendig ist. Die bestehende Ordnung bleibt lesbar.

Die Planungsaufgabe besteht in der denkmalgerechten Wiederherstellung der geschädigten Bausubstanz unter Berücksichtigung heutiger Nutzungsanforderungen. Die besondere Herausforderung liegt im sensiblen Umgang mit der Konstruktion aus Fachwerk und massiven Bauteilen sowie in der Integration der brandschadensbedingt geschwächten Strukturen in ein tragfähiges Gesamtkonzept. Dabei müssen die bauphysikalischen Anforderungen der energetischen Ertüchtigung mit dem Erhalt der historischen Erscheinung in Einklang gebracht werden.

Brandschaden in den Innenräumen: Bestand vor der statischen Ertüchtigung und Wiederherstellung der Wohnräume

Wohnraum vor der Sanierung
Die energetische Sanierung wird aus der vorhandenen Konstruktion heraus entwickelt. Ausgangspunkt ist die historische Fachwerkkonstruktion mit ihren materialbedingten Eigenschaften und bauphysikalischen Grenzen.
Dach, Fenster, Gebäudehülle und technische Ausstattung werden als zusammenhängendes System betrachtet und aufeinander abgestimmt. Die Maßnahmen fügen sich in die bestehende Struktur ein und respektieren deren Lesbarkeit. Ziel ist eine Verbesserung der Energiebilanz auf Basis der vorhandenen Substanz.

Das Holztragwerk bildet den Kern des Gebäudes und ist zugleich der Ausgangspunkt der Sanierung. Geschädigte Hölzer werden instand gesetzt. Wo ein Erhalt nicht mehr möglich ist, werden einzelne Bauteile in konstruktiv gleichwertiger Form ergänzt. Die Eingriffe orientieren sich an der vorhandenen Zimmermannskonstruktion und setzen ihre Logik fort. Traditionelle Holzverbindungen bleiben dabei Teil der konstruktiven Sprache des Hauses.
Die beschädigten Bereiche des Dachtragwerks werden erneuert und wieder in die bestehende Konstruktion integriert. Die Neueindeckung erfolgt mit Naturschiefer, um das vertraute Erscheinungsbild des Hauses zu bewahren. Der Dachaufbau wird durch eine diffusionsoffene Dämmung ergänzt, die auf die bauphysikalischen Eigenschaften der historischen Holzkonstruktion abgestimmt ist.
Die neuen Holzfenster orientieren sich in Proportion, Teilung und Profilierung am historischen Vorbild. So bleibt die charakteristische Wirkung der Fassade erhalten, ohne dass auf heutige technische Anforderungen verzichtet werden muss.
Bereiche, die durch Feuer und Löschwasser beschädigt wurden, werden sorgfältig instand gesetzt und in enger Abstimmung mit der historischen Konstruktion wiederhergestellt. Dabei steht nicht die vollständige Erneuerung, sondern die Reparatur und Ergänzung des Bestands im Vordergrund. Die Eingriffe erfolgen selektiv und orientieren sich an der Logik des Bestands, sodass tragende Strukturen, Materialübergänge und konstruktive Fügungen weiterhin ablesbar bleiben.
Leitungsführungen, Installationen und technische Komponenten werden so eingeplant, dass sie die historische Raumstruktur nicht stören. Das Ziel besteht darin, das Gebäude funktional zu ertüchtigen, ohne dessen historisches Erscheinungsbild zu überlagern. Historische Substanz, reparierte Bereiche und neue Ergänzungen treten in einen lesbaren Dialog, der die Entwicklung des Gebäudes nachvollziehbar macht und seine Geschichte als gewachsenes Bauwerk sichtbar erhält.

Bei der Instandsetzung des Fachwerkhauses geht es nicht darum, einen ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, sondern die gewachsene Struktur weiterzubauen und mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen. So bleibt das Gebäude erhalten und nutzbar, ohne seine Identität zu verlieren.
Von der ersten Idee bis zur Realisierung begleiten wir Bauvorhaben in allen Planungs- und Ausführungsphasen. Dabei verstehen wir Architektur als kontinuierlichen Prozess, bei dem der Bestand, der Ort und die Anforderungen der Bauaufgabe gleichermaßen einfließen.
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